"Mit der Frage nach den „normativen Fluchtpunkte“ einer kritischen Sozialen Arbeit schließt das
vorliegende Heft sowohl an die Auseinandersetzungen in Heft 100 als auch an die Positionsbestimmung
des gleichzeitigen Verteidigens, Kritisierens und Überwindens im Kontext der Formulierung
einer „Politik des Sozialen“ an: „Verteidigt werden soll das materielle Substrat des sozialpolitisch
Erreichten, kritisiert werden seine Herrschaftsfunktionen. Beides soll überwunden bzw. aufgehoben
werden in Bedingungen, die neue Lebensweisen ermöglichen“ (Redaktion Widersprüche Heft
32). Vor diesem Hintergrund widmet sich die aktuelle Ausgabe normativen Fluchtlinien oder
Metriken einer kritischen Sozialen Arbeit. Dabei geht es mit dem Normative aber weniger um die
apodiktische Formulierung von Direktiven und Präskriptionen. Vielmehr liegt den Beiträgen vor
allem jener weite Begri des Normativen zu Grunde, der sich auf Gegenstände und Praktiken
bezieht, die in einem ‚Raum der Gründe‘ – im „logical space of reasons, of justifying and being able
to justify what one says” (Sellars 1963: 169) – verortet sind. Kritische Soziale Arbeit gehört nun ohne
Zweifel zu solchen Praktiken die sich an Gründen orientiert. Diese Gründe zu erörtern ist der
Gegenstand dieses Hefts.
SCHWERPUNKT-Beiträge: Joachim Weber: Begeisterung für die Macht als politische Grundhaltung.
Ein Gegenentwurf zur deutschen Rezeption von Empowerment; Thomas Wagner: Citizenship, Soziale
Arbeit und Soziale Klassen. Von der politischen Produktivität des Bürgers in der Sozialen Arbeit; Michael
May: Menschliche Verwirklichung; Catrin Heite: Soziale Arbeit und Anerkennung – Überlegungen zu
einer gerechtigkeitsorientierten Konsolidierung von Disziplin und Profession; David G. Gil: Bemerkungen
anlässlich der Auszeichnung mit dem Noam Chomsky Award of the Justice Studies Association
2008 FORUM-Beitrag: Ellen Bareis: Transformation von Sozialstaatlichkeit und alltägliche Praktiken:
Der Fall Ein-Euro-Jobs"