Öffentliche (Heim-)Erziehung ist Zwang – so hat Timm Kunstreich das Verhältnis bis Anfang der
1980er in Heft 106 (2007: 11) charakterisiert, in dem kontroverse Positionen zu der zunehmend
positiven Konnotierung bzw. ‚Normalisierung‘ von Zwang als sozialarbeiterische „Hilfe“ diskutiert
wurden. Im Fokus standen die Hilfen zur Erziehung sowie die zunehmend auch in der Disziplin
vertretene These, Zwang stelle eine legitime sozialpädagogische Option dar. Im vorliegenden Heft
schließen wir an die fruchtbare und kontroverse Debatte an. Sie ist nicht nur in den kritischen
Diskursen um die Rolle und Funktion der Sozialen Arbeit virulent, sondern beschäftigt vor dem
Hintergrund des Wandels der wohlfahrtsstaatlichen Arrangements Profession wie Disziplin.
SCHWERPUNKT-Beiträge: Dario Melossi: Die wandelnden Repräsentationen des Kriminellen; Holger
Ziegler: Ein Kulturkampf in Profession und Disziplin. Bilder Sozialer Arbeit und Repräsentationen ihrer
AdressatInnen – Ein Kommentar zur Debatte in diesem Heft; Norbert Wohlfahrt und Heinz-Jürgen
Dahme: Die Kontrolle der Überflüssigen: Anmerkungen zum Formwandel Sozialer Arbeit im aktivierenden
Sozialstaat; Mathias Schwabe: „Gewalt“, „Zwang“ und „Disziplin“: dunkle Gestalten an der Wiege
sozialer Entwicklungen; Ulrike Urban-Stahl: Nicht ob, sondern inwiefern: Soziale Arbeit braucht die
Debatte um die Legitimation von sozialer Kontrolle; Carsten Höhler: Zwangselemente in der Heimerziehung
und ihre Bewertung durch die Kinder und Jugendlichen FORUM-Beitrag: Kurt Möller und Nils
Schuhmacher: Raus aus der rechtsextremen Ecke. Was bewirken Repression und institutionelle Sanktionierung?