Frauenleben und Geschlechterverhältnis in der ehemaligen DDR
Weibliche Lebenswelten im Spiegel literarischer "Frauengeschichten" und sozialwissenschaftlicher Auswertung
Reihenbandnummer: 20
Umfang/Seiten : 272 Seiten - 14,6 × 20,5 cm
Einband: Kartoniert
Gewicht: 368g
Erscheinungsjahr: 1. 1993
ISBN10: 3-89370-178-8
ISBN13: 978-3-89370-178-0

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Theorie und Praxis der Frauenforschung
17,50 EUR
Lebensgeschichtliche Entwicklungen von Frauen in der ehemaligen DDR stehen im Mittelpunkt der vorliegenden Untersuchung. Sie zeichnet damit wichtige Elemente des DDR-spezifischen Geschlechterverhältnisses nach. In sozialwissenschaftlicher Perspektive werden fünf literarische Vorlagen ausgewertet, ihr Quellenwert erörtert und die methodischen und inhaltlichen Implikationen dieses Vorgehens bestimmt.

In diesem Rahmen sind zentrale Komponenten der weiblichen Identität und Lebenssituation herausgearbeitet, die sich mit der verstärkten Berufstätigkeit der Frauen in der ehemaligen DDR und dem vorgegebenen Ideal der erreichten Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbinden. Das komparative Verfahren nimmt Übergänge im Lebenslauf in den Blick, um die spezifischen Orientierungen und Handlungsmuster von fünf literarischen Frauenfiguren gegenüberzustellen.

Es zeigt sich, dass nicht nur biografische und historische Hypotheken die Frauensituation und das Geschlechterverhältnis belasten. Auch in der DDR baute die gesellschaftliche Arbeitsteilung auf die familiäre Zuständigkeit der Frauen. Daraus ergeben sich höchst individuelle Varianten, den Stellenwert der Berufstätigkeit zu bestimmen und den Alltag mit Kindern so zu gestalten, dass kindliche Bedürfnisse und Spielräume nicht zu kurz kommen.

Die Frauen und Familien in der DDR haben die Licht- und Schattenseiten erfahren, wenn patriarchalische Fürsorge eines totalitären Staatswesens die Rahmenbedingungen hierfür vergibt. Es verbinden sich damit zahlreiche Belastungen im Alltag, die ebenso detailreich beschrieben sind wie die individuellen Bestätigungen, die aus der beruflichen Arbeit gezogen werden. Damit verbinden sich insbesondere auch Kraft, Stärke und Ausdauer, sich in schwierigen Konstellationen beruflich wie privat zu behaupten.

Den Frauen hat es auch bzw. gerade unter den Bedingungen der DDR selten an Einsatz bzw. Leistungsbereitschaft gemangelt. Dies in Erinnerung zu halten in einer Phase, in der sehr viele Ergebnisse des Umstrukturierungsprozesses in den neuen Bundesländern gegen eine Reduzierung bestehender Geschlechterhierarchien sprechen, ist ein Anliegen dieser Studie, die im Blick von "außen" sowohl Gemeinsamkeiten wie neue Entwicklungen anschaulich beschreibt.