Frauen - Flucht - Asyl
Eine Studie zu Hintergründen, Problemlagen und Hilfen
Reihenbandnummer: 16
Umfang/Seiten : 154 Seiten - 20,5 × 14,7 cm
Einband: Kartoniert
Gewicht: 206g
Erscheinungsjahr: 1. 1993
ISBN10: 3-89370-158-3
ISBN13: 978-3-89370-158-2

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Materialien zur Frauenforschung
13,50 EUR
Wenn die Rede von Flüchtlingen ist, so werden damit in der Regel Männer assoziiert und mit Flüchtlingsfrauen allenfalls deren familiäre "Anhängsel". Das ist jedoch ein Trugschluss: Schätzungen der Vereinten Nationen gehen davon aus, dass weltweit Frauen und Kinder die Mehrheit aller Flüchtlinge stellen. Ihre millionenfache Flucht ereignet sich in spezifischen Formen und abseits vom Interesse der Weltöffentlichkeit. Als Folge bleibt auch ihre zunehmende gesellschaftliche, ethnische, religiöse, familiäre, frauenspezifische, politische Verfolgung weitgehend unbekannt.

Hinzu kommt: Frauen können sich - in aller Regel weniger noch als die Männer ihrer Familien oder ihres Umfeldes - eine Flucht über große Entfernungen mit moderne Verkehrsmitteln kaum leisten und kommen, selbst wenn es um Leben und Tod geht, selten über ihre Nachbarländer hinaus. Mangelnder Zugang zu Geld und Bildung oder die Bedrohung durch sexuelle Angriffe sind nur einige Aspekte, die ihren Fluchtmöglichkeiten enge Grenzen setzen.

Unter den Flüchtlingen, denen es gelingt, eines der reichen Länder Europas zu erreichen und dort um Asyl nachzusuchen, sind Frauen denn auch unterrepräsentiert: ihr Anteil dürfte bei etwa einem Viertel liegen - präzise Angaben sind nicht mögliche, weil geschlechtsspezifische Statistiken zu Asyl und Flucht in der Bundesrepublik Deutschland nicht erstellt werden.

Geflüchtete Frauen, "Flüchtlingsfrauen", stammen aus den unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen, Klassen und Schichten, Kulturen und Staaten. Auch bei den in der Bundesrepublik lebenden gibt es nicht die "typische" Flüchtlingsfrau. Von der traditionell sozialisierten Analphabetin, die vor der Flucht ihr Heimatdorf nie verlassen hat, reicht das Spektrum bis zur promovierten politischen Aktivistin. Manche Frauen begleiten ihre Ehemänner ins Exil, ohne eigene Fluchtgründe zu haben, andere flüchten z.B., um ihre Söhne vor dem Tod als Kindersoldaten zu retten. Wieder andere fliehen vor individueller Verfolgung unterschiedlichster Art.

Gemeinsam ist vielen von ihnen, dass die Gefahr sexueller Angriffe während der Flucht sehr hoch ist. Die Frauen befinden sich während der Flucht in extremer Abhängigkeit von Fluchthelfern oder Männer der eigenen Familie. Eine Chance, ein westeuropäisches Land sicher zu erreichen, haben am ehesten noch jene Frauen, die gemeinsam mit männlichen Familienangehörigen oder deren Hilfe fliehen. Es ist davon auszugehen, dass sie die größte Gruppe unter den Asylbewerberinnen in der Bundesrepublik stellen.

Das vorrangige Ziel dieses Materialienbandes ist es, zu dokumentieren und informieren, Kenntnisse, Ideen, Konzepte und Forderungen zu bündeln und in praxisgerechter Form verfügbar zu machen.

Das erste Kapitel steckt daher den Rahmen des Problems ab, denn die weltweite Flucht und ihre Ursachen bilden den Hintergrund, vor dem Fragen des Asyls und des Aufenthalts von Flüchtlingsfrauen in der Bundesrepublik Deutschland zu sehen sind. Diesem Thema widmet sich vorrangig das Kapitel 2: Welche Chancen haben Frauen, insbesondere aus Ländern der "3. Welt", in der Bundesrepublik Deutschland Asyl zu erhalten? Wie wird "politische Verfolgung" verstanden und werden dabei geschlechtsspezifische Aspekte berücksichtigt? Verfolgungserfahrungen, die zur Flucht und z.B. zum Antrag auf Asyl führen, sind häufig Erfahrungen mit extremer physischer und psychischer Gewalt, mit Folter. Das Kapitel 3 erörtert daher die psychosoziale Situation von Folterüberlebenden, wobei auch hier geschlechtsspezifische Aspekte zwar inzwischen thematisiert werden, aber noch unzureichend erforscht sind.

Die beiden folgenden Kapitel haben Themen zum Gegenstand, die für viele Flüchtlingsfrauen, die in der Bundesrepublik leben, von Bedeutung sind: es geht zunächst um die Gesundheitsversorgung. Das Trauma der Flucht und das Leben in einem fremden Land sind nicht zuletzt krankmachende Faktoren, die Interaktion zwischen deutschem Gesundheitswesen und Flüchtlingsfrauen gestaltet sich jedoch oft schwierig.

Als wichtiges Bindeglied zwischen den bisher genannten Bereichen kann die Sozialarbeit vers