Die interpretative Herstellung des Internet
Eine empirische Analyse technikbezogener Deutungsmuster am Beispiel gewerkschaftlicher Diskurse
Reihenbandnummer: 161
Umfang/Seiten : 352 Seiten
20,5 × 14,6 cm
Einband: Paperback
Gewicht: 448g
Erscheinungsjahr: 1. Auflage 02.2007
ISBN13: 978-3-89370-425-5

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32,40 EUR
Das Internet ist nicht nur eine neue Technik, die Möglichkeiten der Information und Kommunikation verändert; es ist auch ein umkämpftes Thema in diskursiven Auseinandersetzungen. Das Buch zeigt, wie politische Kontroversen im Internet ausgehandelt werden und wie das Internet dabei überhaupt erst interpretativ »hergestellt« wird.

Ausgehend von interpretativen Ansätzen der Techniksoziologie, der Diskurs- und der Sozialen Bewegungsforschung entwickelt die Autorin zunächst ein theoretisches Konzept, das Technik als Gegenstand politischer Bedeutungskämpfe versteht. Unter der Annahme, dass politische AkteurInnen in Diskursen über das Internet nicht nur Potenziale der neuen Technik diskutieren, sondern auch Selbstbilder und Gegenwartsdiagnosen anbieten, um darüber Deutungsmacht zu generieren und UnterstützerInnen zu mobilisieren, wird anschließend auf der Grundlage einer Inhaltsanalyse gewerkschaftlicher Zeitschriftenpublikationen gezeigt, dass bereits innerhalb des gewerkschaftlichen Diskurses konkurrierende Deutungsmuster für das Internet entworfen werden.

In der Studie wird untersucht, wie die unterschiedlichen gewerkschaftlichen Thematisierungsweisen des Internet den Gewerkschaften dazu dienen, Deutungsangebote zu dramatisieren, sich selbst als modern und kompetent zu inszenieren und interne Selbstverständnisdebatten zu führen. Die Gewerkschaften nutzen den Diskurs über das Internet, um interne und nach außen gerichtete Debatten um Reformbedarf, Imageprobleme, Mitglieder-, Macht- und Kontrollverluste zu führen. Dabei wird deutlich, wie das Internet in diesen Kämpfen um Deutungsmacht Bedeutungen, ›Eigenschaften‹ und ›Auswirkungen‹ erst zugeschrieben bekommt. Das gegenwärtig gültige Wissen über »das Internet« ist daher nicht als Ausdruck materieller, ontologischer Eigenschaften des Internet und ›realer‹ Technikfolgen, sondern als Ergebnis kollektiver interpretativer Aushandlungsprozesse zu betrachten.