Die nachfolgenden fünf Artikel konnten aus Platzgründen nicht mehr in den Themenschwerpunkt »Gesundheitswissenschaftliche Frauen- und Geschlechterforschung - multidisziplinäre Projekte und Ansätze« des vorliegenden Heftes aufgenommen werden. In Heft 2/2007 der ZfF&G wird der Themenschwerpunkt mit folgenden Beiträgen fortgeführt:
Claudia Hornberg und Andrea Pauli, die an der Universität Bielefeld zu biologischen und ökologischen Grundlagen der Gesundheitswissenschaften forschen, führen die Themenfelder »Gender und Umwelt« sowie »Gender und Gesundheit« zusammen. Übergreifendes Ziel dieses Beitrages ist es, durch eine geschlechtssensible Perspektive den Blick für vordergründig geschlechtsneutral erscheinende umweltbezogene Gesundheitsthemen zu erweitern sowie eine umfassende Sichtweise mit differenzierenden Aussagen für die gesundheitswissenschaftliche Konkretisierung des Handlungsfeldes »Gender, Umwelt und Gesundheit« zu generieren.
Die Psychologin Alexa Franke geht der Frage nach, wie die in den empirischen Daten der Gesundheitsforschung inzwischen vielfach registrierten Geschlechterdifferenzen und damit auch Wirkungszusammenhänge interpretiert und in die Theorien und Rahmenmodelle der Gesundheitsforschung einbezogen werden. Sie kritisiert die immer noch weit verbreitete »Ignoranz« mancher Modelle bezüglich der Geschlechterdifferenzen und verweist zugleich auf innovative Ansätze. Im Mittelpunkt stehen dabei biomedizinische, psychosoziale und salutogene Modelle und Genderkonzepte.
Die Geschichte der Traumaforschung, so Sabine Scheffler, bei der die Geschlechterverhältnisse gleichsam in der Fallarbeit »verschwinden« und in einer persönlichen Symptomatik aufgehen, ist beispielhaft für die Verschränkung von geschlechtsgebundenen Konstruktionen, Inhalten der Forschung, Methodiken der Behandlung und ihren Wandlungen. Die Strukturen der Traumaforschung und -behandlung, die sichtbarer als andere psychosoziale Themen mit kulturellen und gesellschaftlichen Sichtweisen und Bewertungen verknüpft sind, zeigen die weitgehende Vernachlässigung (geschlechtsdifferenter) traumatisierender »Umweltfaktoren«, insbesondere der alltäglichen Erfahrung von psychischer und physischer Misshandlung.
Doris Janshen, Kordula Merk und Mona Motakef vom Essener Kolleg für Geschlechterforschung stellen den soziomedizischen Ansatz des Kollegs dar, der sich als interdisziplinäres Projekt versteht. Dabei beziehen sich die Forschungen auf die Felder der Nephrologie, Kardiologie und der Neurowissenschaften. Im Fokus steht die Frage, in welchem Maße und in welchen Formen die medizinische Forschung als naturwissenschaftliche Disziplin sowie die ärztliche und klinische Praxis mit sozialen und kulturellen Faktoren verschränkt sind. Ihre zentrale soziomedizinische Annahme ist, dass die Genese von Erkrankungen sowie medizinische Interventionen sozial vermittelt sind.
Bärbel Miemietz, Ljiljana Verner und Larissa Burruano von der Medizinischen Hochschule Hannover stellen eine Umfrage unter Professoren und Professorinnen sowie Wissenschaftlichen MitarbeiterInnen vor, in der danach gefragt wurde, welche Bedeutung Geschlechteraspekte in den Lernzielen und Inhalten des Medizinstudiums haben. Zugleich wurde auch das Interesse der Lehrenden an einer Datenbank zur geschlechterspezifischen Medizin ermittelt.