Vor dem Hintergrund einer Postulierung der »Natur der Gesellschaft« – so das Motto des 33. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie 2006 – fragen die Autoren in der vorliegenden Ausgabe der Widersprüche am Beispiel von Herbert Marcuses Studie ›Triebstruktur und Gesellschaft‹ danach, welche Denktraditionen für eine kritische Auseinandersetzung mit den hegemonialen Prämissen einer naturwissenschaftlichen Perspektive auf soziale Praktiken und Zusammenhänge hilfreich sind und wie an diese Anschluss genommen werden kann.
In der Auseinandersetzung mit Marcuses Analysen, die dieser vor 50 Jahren in den USA veröffentlicht hatte, und dem darin entwickelten Versuch einer Soziologisierung der Freudschen Triebtheorie wird das im Titel des 33. Soziologiekongresses benannte Thema in modifizierter Weise diskutiert: Kann aus einer triebtheoretischen Perspektive das Phänomen der aktuell zu beobachtenden zunehmenden Naturalisierung der Gesellschaft angemessen analytisch erfasst werden? Mit dieser Frage ist zugleich eine zweite auf den Plan gerufen, nämlich die Frage nach der unterstellten Figur des Subjekts und dessen Positionierung in aktuellen sozialtheoretischen Vorgehensweisen.
Mit Blick auf diese Fragestellungen stellt Marcuses ‚Triebstruktur und Gesellschaft’ einen gemeinsamen Ausgangspunkt für die einzelnen Beiträge mit ihren jeweils ganz unterschiedlichen Zugängen dar.
SCHWERPUNKT-Beiträge:
Ullrich Bauer und Uwe H. Bittlingmayer: Das Gesellschaftliche und das Unbewusste; Fabian Kessl und Holger Ziegler: Zur politischen Regulation des Begehrens; Michael May: Marcuse und die »Natur« der Gesellschaft: Kritik und Kritik der Kritik aus selbstregulationstheoretischer Perspektive; Lars Heinemann: Scharnier oder Schablone? Zum Verhältnis gesellschaftlicher und individueller Begriffe bei Herbert Marcuse; Micha Brumlik: Die Aktualität des Todestriebes.
FORUM-Beitrag:
Eva Hartmann: Soziale Arbeit unter postfordistischen Vorzeichen – Ein Beitrag zur Professionalisierungsdebatte